Die Kriegslügen

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Bush und das Ausmaß der Desinformation     Von Christian Kreutzer     (Quelle: t-online-nachrichten, 31.03.04)

Glauwürdigeit weitgehend eingebüßt: George W. Bush und sein Stab (Foto: dpa)
Glauwürdigeit weitgehend eingebüßt: George W. Bush und sein Stab (Foto: dpa)

Ist der Grad einer Irreführung mathematisch messbar? Der demokratische US-Senator Henry Waxman hat dies nun, ein Jahr nach Beginn der Operation "Iraqi Freedom", auf einfache Weise versucht. Bienenfleißig durchsuchten Mitarbeiter des demokratischen Reform-Komitees über Wochen hinweg Reden, Interviews und Statements der mächtigsten Männer und Frauen der Bush-Regierung auf Irreführungen oder gar Lügen.

237 Irreführungen bei 125 Auftritten
Das Ergebnis, das auf Waxmans Homepage (www.house.gov/reform/min/) nachzulesen ist: 237 Mal haben Präsident George W. Bush und andere Top-Leute, darunter Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, bei 125 verschiedenen Auftritten irreführende oder unwahre Angaben gemacht.

Sichere Erkenntnisse vorgegaukelt
Die meisten Statements fielen dabei in die Kategorie irreführende Angaben. Zumeist betrafen sie die Behauptung, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen. Hier, so das Komitee, seien sichere Erkenntnisse vorgegaukelt worden, wo es in Wirklichkeit nur vage Vermutungen gab. Die meisten Äußerungen, genauer gesagt 161, seien vor dem Kriegsbeginn am 20. März 2003 gefallen. Zehn Aussagen seien komplett falsch gewesen.
ABC-Waffen schon seit Jahren vernichtet?
Für viele Menschen kommen diese Ergebnisse keineswegs überraschend: Die Art und Weise, in der die Bush-Regierung fragwürdige Angaben zur Kriegsbegründung einsetzte, hat in vielen Ländern den Eindruck hinterlassen, die Welt sei mehr oder weniger bewusst belogen worden. So bei den viel beschworenen ABC-Waffen Saddams, von denen bis jetzt keine gefunden wurden und von denen UN-Experten glauben, dass es sie schon lange nicht mehr gibt. 
Irrtum oder Lüge?
So auch bei Bushs Behauptung, Saddam habe versucht, Atomwaffen im Niger zu kaufen - einer Behauptung, die nun schwerer auf der Glaubwürdigkeit des Präsidenten lastet als viele andere:   Bereits Monate zuvor war US-Diplomat und Afrika-Kenner Joseph Wilson im Auftrag der CIA in Niger dem Gerücht des britischen Geheimdienstes nachgegangen und hatte es praktisch eindeutig als Falschmeldung entlarvt. Nur wenige glauben nun Bushs Behauptung, er habe von Wilsons Ergebnissen nichts gewusst.
Wie glaubwürdig ist Kerry?
"Rücksichtslos und arrogant" sei die US-Politik unter Bush, schimpft der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry immer wieder. Der Präsident habe ihn, Kerry - der seinerzeit für Bushs Ermächtigung zum Irak-Krieg stimmte - und mit ihm das ganze Land irregeführt. Dabei fällt es vielen gleichermaßen schwer, zu glauben, dass Kerry jetzt erst von all dem erfahren hat und praktisch aus allen Wolken fällt.


Ex-Topberater Richard Clarke:     Bush war nur am Irak interessiert   (Quelle: t-online-nachrichten, 24.03.04)


Ex-Sicherheitsberater Richard A. Clarke (Foto: dpa)
Ex-Sicherheitsberater Richard A. Clarke (Foto: dpa)
US-Präsident George W. Bush sah nach Angaben eines hochrangigen ehemaligen Mitarbeiters in der Terrorbedrohung durch die El Kaida vor dem 11. September 2001 "keine dringliche Angelegenheit". Bush habe der Terrorbekämpfung keine höchste Priorität eingeräumt, sagte der ehemalige Terrorabwehr-Berater des Präsidenten, Richard Clarke, am Mittwoch vor einem unabhängigen Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen vom 11. September. An die Adresse der Opfer gerichtet erklärte Clarke: "Die Regierung hat Sie im Stich gelassen, und ich habe es auch."
Vergebliche Versuche, bei Bush Gehör zu finden
Der frühere Berater schilderte weiter, er habe so häufig vergeblich versucht, mit seinen Warnungen bei den höchsten Stellen Gehör zu finden, dass er im Juni 2001 frustriert um eine Versetzung gebeten habe. Bereits im Januar des Jahres sei er zum Beispiel auch bei der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice mit einem Vorstoß für ein Dringlichkeitstreffen auf höchster Ebene gescheitert.
Terrorbedrohung außer acht gelassen

Clarkes Aussage vor dem Ausschuss war mit besonderer Spannung erwartet worden, nachdem er bereits am Wochenende mit seinen massiven Vorwürfen gegen die Regierung Bush an die Öffentlichkeit getreten war ...

Richard Clarks Interview mit dem Sender CBS:

Stellt Bush schlechtes Zeugnis aus: Ex-Präsidentenberater Richard Clarke (Foto: Reuters)
Stellt Bush schlechtes Zeugnis aus: Ex-Präsidentenberater Richard Clarke (Foto: Reuters)

Richard Clarke, führender Antiterror-Experte in den USA und ehemaliger Präsidentenberater, hat George W. Bush ein verheerendes Zeugnis ausgestellt: Dieser habe Terrorwarnungen monatelang ignoriert. Clarke sagte, Amerika sei heute weniger sicher als vor Bushs Amtsantritt.
Furchtbar schlechte Arbeit
In einem Interview mit dem Sender CBS, das Sonntagnacht ausgestrahlt werden soll, sagte Clarke ironisch: "Ich finde es unerhört, dass der Präsident sich der Wiederwahl stellt, angesichts der Tatsache, dass er beim Terrorismus so große Dinge geleistet hat." Dann fügte er hinzu: "Er ignorierte ihn. Monatelang schenkte er ihm keine Beachtung, zu einer Zeit, als wir noch etwas gegen die Angriffe vom 11. September hätten unternehmen können." Bush habe im Kampf gegen den Terrorismus "furchtbar schlechte Arbeit" geleistet.
Unsicherer als vor den Anschlägen
Clarke, der vier amerikanische Präsidenten beriet und Bushs führender Beamter bei der Terrorabwehr war, schreibt in einem Buch, das kommende Woche erscheinen soll, Bush hätte El Kaida und deren afghanische Trainingslager ausheben sollen, bevor es zu den Anschlägen von New York und Washington gekommen ist. "Wie Bush auf E Kaida reagiert hat - vor dem 11. September, indem er nichts getan hat -, und was er nach dem 11. September unternahm, hat unser Land unsicherer gemacht." Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice entgegnete, Bush habe El Kaida betreffend zunächst die Politik seines Amtsvorgängers Bill Clintons verfolgt, bis er dann seine eigene Strategie verfolgt habe.
"Es gibt viele gute Ziele im Irak"
Clarke berichtet auch, Bush habe bereits unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einen Angriff auf den Irak erwogen. Er selbst und andere Experten hätten Bush und Kabinettsmitglieder wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beraten. "Rumsfeld sagte, wir müssen den Irak bombardieren", sagte Clarke. "Wir alle sagten, 'aber nein, nein, El Kaida ist in Afghanistan'. Und Rumsfeld sagte: "Es gibt keine guten Ziele in Afghanistan und es gibt viele gute Ziele im Irak."
Am 11. September über den Irak gesprochen
"Sie haben am 11. 9. über den Irak gesprochen", sagte Clarke gegenüber CBS. "Sie haben am 12. 9. darüber gesprochen." Er habe sich gewundert, dass die Regierung sofort an den Irak gedacht habe statt an El Kaida und Bin Laden. "Ich denke, sie wollten glauben, dass es eine Verbindung gab", sagte Clarke. "Aber die CIA saß da, das FBI saß da, ich saß da, und wir sagten: "Wir haben seit Jahren diese Frage im Blick. Seit Jahren beobachten wir das und es gibt einfach keine Verbindung"." Clarkes Abteilung für Cybersicherheit wurde nach dem von Bush neu geschaffenen Heimatschutzministerium in dieses eingegliedert. Er beendete seinen Dienst im Februar 2003.
Irak-Krieg bereits bei Amtsantritt geplant
Im Januar hatte CBS ein Interview mit dem ehemaligen US-Finanzminister Paul O'Neill ausgestrahlt, in dem auch dieser von einem frühen Plan der US-Regierung für einen Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein gesprochen hatte. Bush habe bereits bei Amtsantritt die Absicht gehabt, in den Irak einzumarschieren, hatte O'Neill erklärt. Er betonte zudem, keine Belege für die Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen gesehen zu haben, die Hauptbegründung der USA für den Kriegsbeginn. O'Neill war im Dezember 2002 von seinem Posten entlassen worden. Bislang wurden keine Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt.


Rücktritt des Chefs der US-Waffeninspektoren im Irak, Davis Kay

ABC-Waffen-Suche verläuft im irakischen Sand  (aus taz  26.1.2004),
US-Außenminister hat erstmals öffentlich die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak bezweifelt
Steilvorlage für die Demokraten      (aus taz  26.1.2004, Kommentar von Michael Streck),
Colin Powell hat die Präventivschlagsdoktrin ad absurdum geführt

Saddam warnte vor Zusammenarbeit mit islamischen Fundamentalisten  (aus taz  15.1.2004),
... Unterdessen verstärken bei der Festnahme Saddam Husseins im Dezember gefundene Dokumente die Zweifel an Washingtons Behauptung, der frühere irakische Machthaber habe enge Kontakte zu al-Qaida unterhalten. In einer Anordnung an seine Anhänger warnte er vor einer Zusammenarbeit mit arabischen Fundamentalisten, die seit dem Irakkrieg in das Land einsickerten, so dieNew York Times. ...

Bushs Blitzbesuch im Irak: Auch der Truthahn war nur Fake   (aus: onnachrichten.t-online, 04.12.03)
Nicht echt: Bush und der Truthahn (Foto: dpa)
Nicht echt: Bush und der Truthahn (Foto: dpa)

Der US-Präsident persönlich bedient eigenhändig seine tapferen Jungs im Irak. Die Botschaft des Fotos von George W. Bush mit dem knusprigen Truthahn vom Überraschungsbesuch in Bagdad letzte Woche war klar - und ließ die Sympathiewerte des angeschlagenen Staatschefs prompt in die Höhe schnellen. Doch nun stellt sich raus: Alles nur Fake, der Truthahn war nichts als Dekoration.
Weißes Haus: Keine Absicht
Das berichtet zumindest Mike Allen, der einzige Zeitungsjournalist, der bei dem geheim gehaltenen Blitzbesuch dabei war, in der "Washington Post". Das Weiße Haus verteidigte sich allerdings gegen Vorwürfe, es habe die Szene absichtlich arrangiert. Ein Beamter versicherte dem Reporter, nichts von dem dekorativen Teller gewusst zu haben, den sich der Präsident gegriffen hatte. Es sei aber üblich, die Kantine an Festtagen derart zu dekorieren.
Bild ging um die Welt
Das Bild, das vor einer Woche um die Welt ging, zeigt Bush in einem Armee-Parka, breit lachend, umgeben von US-Soldaten und mit einem riesigen Tablett in der Hand. Darauf lag der knusprig-braune Truthahn, reich garniert mit Obst und Gemüse - das Festessen, das an diesem Abend, dem in den USA groß gefeierten Erntedankfest, traditionell serviert wird. Tatsächlich habe es sich nur um eine Dekoration gehandelt, berichtet Allen. Die Soldaten wurden wie üblich aus der Kantinenküche bedient.
Stets im rechten Licht
Die Imageberater von George Bush achten wie kaum ein anderes Präsidententeam zuvor darauf, dass der Präsident stets ins rechte Licht gerückt wird. Presse und Opposition haben die oft für starke Fernsehbilder gestellten Szenen scharf kritisiert.
Auftritt auf der "Abraham Lincoln"
So landete Bush am 1. Mai in voller Kampfmontur mit einem Kampfjet auf den Flugzeugträger "Abraham Lincoln", um vor der Kulisse der heimkehrenden Soldaten das Ende der größeren Kampfhandlungen im Irak zu verkünden. Wie sich später herausstellte, war der Flugzeugträger längst in Küstennähe und musste eigens gedreht werden, damit das auf den Bilder nicht zu sehen war. Das Weiße Haus hatte nämlich den Einsatz des Kampfjets damit begründet, dass das Schiff für einen Helikopterflug noch zu weit entfernt gewesen sei. Vor einem Jahr mietete das Weiße Haus in Hollywood teure schwimmende Scheinwerfer, damit die Freiheitsstatue in New York bei einer abendlichen Rede des Präsidenten deutlich hinter seiner Schulter zu sehen war.

Perle: "Irakkrieg war illegal"     (taz, 21.11.03, 75 Zeilen, OP (TAZ-Bericht) )
Der Exberater und Kriegspropagandist der Bush-Regierung gibt zu: Feldzug der USA bewegte sich außerhalb internationalen Rechts


"Zeit": Pentagon-Geheimbüro frisierte Irak-Dossiers     (t-news.t-online 28.10.03)

Vize-Präsident Dick Cheney (Foto: dpa)
Vize-Präsident Dick Cheney (Foto: dpa)

Ein geheimes Büro im amerikanischen Verteidigungsministerium soll vor dem Irakkrieg überzogene Meldungen über Saddam Husseins Waffenarsenale gezielt ans Weiße Haus geschickt haben. Unter der Regie von Vizepräsident Dick Cheney wurden demnach systematisch aufgebauschte Berichte angefertigt, berichtet die "Zeit" und beruft sich auf Geheimdienstmitarbeiter.
Geheim-Dossiers mit Textbausteinen
Im so genannten "Office of Special Plans" des Pentagons seien seit August 2002 sämtliche Dossiers über den Irak mit vorgefertigten Textbausteinen versehen worden, berichtet eine ehemalige Mitarbeiterin des Ministeriums. Darin habe es unter anderem geheißen, Saddam Hussein arbeite mit Osama bin Laden zusammen und habe Kontakt zu den Attentätern des 11. September.

Fragwürdige Quellen
Die Berichte des Spezialbüros seien nicht, wie sonst üblich, anderen US-Nachrichtendiensten zur Prüfung vorgelegt worden, sondern direkt im Weißen Haus gelandet. Hauptquelle der Pentagon-Abteilung waren irakische Überläufer, die selbst ein Interesse am Sturz Saddam Husseins hatten.
CIA-Agenten unter Druck gesetzt
Geheimdienstler der Central Intelligence Agency (CIA), welche die Dossiers des Spezialbüros für falsch hielten, seien unter Druck gesetzt worden, politisch konforme Einschätzungen zu verfassen, berichteten mehrere ehemalige Mitarbeiter der Behörde. Andere US-Nachrichtendienste, wie die des Außen- und Energieministeriums, hatten den Schreckensmeldungen aus dem Rumsfeld-Ministerium zwar ausdrücklich widersprochen, ihre Darstellungen gingen jedoch nicht in die Gesamtanalyse über den Irak ein. Auf Grundlage dieser Gesamtanalyse hatte der US-Kongress dem Krieg zugestimmt.

Bush vermisst sein ABC    (taz, 04.10.03)
Massenvernichtungswaffen wurden im Irak bislang nicht gefunden, sagt David Kay, Chef der US-Waffeninspektoren. Präsident George W. Bush sieht sich trotzdem in seiner Kriegspolitik bestätigt
91 Zeilen, MICHAEL STRECK (TAZ-Bericht)


"Glaube nicht, dass da Waffen waren"     (t-news.t-online 22.09.03)
Dimitrios Perricos während der UN-Mission im Irak (Foto: dpa)
Dimitrios Perricos während der UN-Mission im Irak (Foto: dpa)

... Viereinhalb Monate nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen sucht ein Team von US-Experten weiter erfolglos nach den Massenvernichtungswaffen, die als offizieller Grund für den Irak-Krieg dienten. Der neue Chef-Waffeninspektor der UN, Demetrius Perricos, dämpft die Hoffnungen der USA nun weiter: Er geht wie sein Vorgänger Hans Blix davon aus, dass der Irak nie im Besitz verbotener Waffen war.
Zerstörung aller Waffen kaum möglich
"Ich glaube noch immer nicht, dass da Waffen waren", sagte Perricos. Es sei unwahrscheinlich, dass es Saddam gelungen sein könnte, gehortete Waffen vor dem Krieg schnell zu zerstören und alle Spuren zu verwischen. In der Eile sei ein systematisches Vorgehen kaum möglich. "Wir haben 500 Orte inspiziert, darunter die wichtigen." Der griechische Chemiker leitete das erste UN-Team, das 1991 in den Irak reiste, um Massenvernichtungswaffen zu finden und zu zerstören. Er war Stellvertreter von Blix, als Unmovic im vergangenen Jahr wieder ins Land durfte.
Zweifel an Echtheit von gefundenen Dokumenten
Perricos sagte weiter, er habe auch Zweifel an der Darstellung der USA, dass Saddam ein Atomwaffenprogramm geplant habe. Er bezog sich auf Dokumente über die Anreicherung von Uran, die im Juni unter einem Rosenstrauch in Bagdad gefunden wurden. "Mit vier Jahren Zeit und der Möglichkeit, das Waffenprogramm umzusetzen, hätten sie die wohl aus ihrem Garten geholt", erklärte er.
Vorwurf: USA halten Informationen zurück
Perricos sagte weiter, er wäre interessiert zu erfahren, was die vom US-Militär eingesetzte Untersuchungsgruppe im Irak herausgefunden habe. Diese habe Unmovic aber weder kontaktiert noch Informationen weitergegeben.
UN-Inspektoren fanden keine Hinweise
In den vier Monate langen Inspektionen vor dem Beginn des Irak-Krieges hatte Unmovic keine Hinweise dafür endeckt, dass der mittlerweile entmachtete irakische Präsident Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen versteckt hielt. Das von den UN-Inspektionen gesammelte Material füllt mittlerweile 970 Gigabyte Speicherplatz.
Warum kooperierte der Irak nur halbherzig?
Offen geblieben ist unter anderem etwa die Frage, warum Saddam die UN-Inspektoren nie davon zu überzeugen versuchte, dass der Irak frei von Massenvernichtungswaffen sei. "Wir sind alle daran interessiert zu erfahren, warum sich die Iraker so verhalten haben", sagte Perricos.

Kennedy zum Irak-Krieg: Bush betrügt und besticht     (t-news.t-online 22.09.03)
US-Senator Edward Kennedy (Foto: dpa)
US-Senator Edward Kennedy (Foto: dpa)

Der amerikanische Senator Edward Kennedy hat die Gründe der US-Regierung für den Irak-Krieg als einen "in Texas erfundenen" Betrug bezeichnet. "Es gab keine unmittelbar bevorstehende Bedrohung", sagte der demokratische Politiker. "Das Ganze war ein Betrug." Zugleich warf Kennedy der Regierung vor, sie könne über knapp die Hälfte der monatlichen Kriegskosten in Höhe von vier Milliarden Dollar keine Rechenschaft ablegen. Der Senator vermutet, dass das Geld an Regierungschefs in der ganzen Welt fließt, "um sie zu bestechen, Truppen zu schicken".


Die Rolle der US-Medien vor und während des Irakkrieges
"Hier ist das kein Thema"
    (taz, 11.09.03)
Die mehr als dubiose Rolle der US-Medien vor und während des Irakkrieges harrt noch immer der Aufarbeitung. "Sie sind ein wenig peinlich berührt", sagt John R. MacArthur über seine Kollegen
176 Zeilen, ERIC CHAUVISTRÉ (Interview)
Interview
ÄHNELN SICH DIE WEGE IN DEN KOSOVOKRIEG UND DEN IRAKKRIEG, HERR LOQUAI?     (taz 23./24.08.03)
 Heinz Loquai, früherer Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), sieht in der Vorbereitung des Irakkriegs Parallelen zum Kosovo: Zuverlässige Informationen werden in Regierung und Parlament so manipuliert, dass sie friedliche Lösungen verbauen

"Präzedenzfall Kosovokrieg"                                          Chronologie                                                          zur person
Interview mit Heinz Loquai                                                                          Schritte in den Kosovokrieg                                                      Brigadegeneral Loquai
320 Zeilen, FRANZ HUTSCH (Interview)                                                 42 Zeilen (TAZ-Bericht)                                                             50 Zeilen (Portrait)


Lynchs Befreiung - Heldendrama oder Hollywood?     (t-news.t-online 28.07.03)

Es sollte der krönende Abschluss einer typisch amerikani- schen Helden- geschichte sein: Jessica Lynchs triumphale Rückkehr aus irakischer Kriegsgefangenschaft nach einem monatelangen Krankenhausauf- enthalt. Mitten in den Wirren des Irak-Kriegs hatten mutige Marines die "schöne Soldatin" unter Einsatz ihres Lebens aus den Klauen irakischer Folterknechte befreit - so die Version des Pentagons. Doch zahlreiche Unstimmig- keiten und gegenteilige Zeugenaussagen nähren Zweifel an dieser Geschichte.

Kriegsbegeisterung ließ zu wünschen übrig
Das Timing war perfekt für US-Präsident George Bush: Die Offensive der alliierten Truppen schien in der irakisichen Wüste steckenzubleiben, Fernsehbilder von amerikanischen Kriegsgefangen verstörten die US-Öffentlichkeit und ließen die Begeisterung für den Feldzug gegen Saddam merklich schwinden. Da gab die Meldung von der Befreiung Lynchs der PR-Kampagne des Pentagons neuen Schwung. Bush zeigte sich begeistert und viele Amerikaner vergossen Tränen der Freude.

Video zeigte Befreiungsaktion
Lynch war bei einem irakischen Angriff auf ihren Konvoi in Nasirija schwer verletzt worden. Elf ihrer Kameraden kamen ums Leben, Verwundete wurden später im irakischen Fernsehen "vorgeführt". Wenige Tage später startete die US-Armee ihre Befreiungsaktion. Soldaten hielten den Sturm auf das Krankenhaus per Video fest. Schwer bewaffnete Marines waren zu sehen, die Türen und Fenster eintraten und das Zimmer der Soldatin stürmten. Auf einer Trage brachten sie die junge Frau schließlich in einen wartenden Helikopter.

Iraker waren lange abgezogen
Doch das vom Pentagon gezeichnete Bild der Befreiungsaktion erhielt schon bald erste Risse. Irakische Ärzte und Pfleger berichteten, die Soldaten Saddam Husseins hätten schon am Vortag den Rückzug aus Nasirija angetreten. Die Mitglieder der amerikanischen Spezialeinheit hätten das Angebot, die Klinik einfach durch die Tür zu betreten, abgelehnt. Einziger "Widerstand", auf den die Amerikaner trafen: Vier Ärzte und zwei Patienten, von denen einer gelähmt war und am Tropf hing. Trotzdem wurde er genauso gefesselt wie die anderen fünf.

Wer rettete die "schöne Soldatin" wirklich?
Einer der Ärzte, Harith al-Houssona, gab gegenüber der Londoner "Times" an, Jessica Lynchs Leben gleich mehrmals gerettet zu haben. Er habe nach ihrer Einlieferung durch irakische Soldaten ihre schweren Verletzungen an Kopf, Beinen und Rücken behandelt und ihre Atmung stabilisiert. Glaubt man der Darstellung des irakischen Arztes, ist er der Held dieser Geschichte.

Irakischer Arzt als eigentlicher Held?
Als er erfuhr, dass sie am nächsten Tag in ein Krankenhaus in Bagdad verlegt werden sollte, wies er den Fahrer einer der verbliebenen Ambulanzen an, die Gefangene zu einem US-Stützpunkt in der Nähe der Stadt zu bringen. Doch als der Fahrer sich dem Stützpunkt der Amerikaner näherte, wurde er von US-Soldaten unter Feuer genommen und musste umkehren. Als die letzten Saddam-Treuen Nasirijas in das Krankenhaus kamen, um Lynch als Faustpfand gegen die Amerikaner mitzunehmen, versteckte er sie in einem anderen Teil des Gebäudes. Jeder kann sich ausrechnen, was mit ihm geschehen wäre, hätten Saddams Soldaten davon Wind bekommen.

Die Waffe der Heldin klemmte
Jessica Lynch verdankt ihren Status als Heldin auch ihrer angeblichen Gegenwehr bei ihrer Festnahme. Das Pentagon meldete zunächst, sie hätte "bis zum Tod" kämpfen wollen. Mehrere irakische Soldaten habe sie getötet, bevor ihre Munition ausging. Später stellte sich heraus, dass ihr Gewehr klemmte und sie keinen einzigen Schuss abfeuerte. Ihre schweren Verletzungen hatte sie sich wahrscheinlich zugezogen, als ihr Konvoi von einer Granate der irakischen Angreifer getroffen wurde und ihr Fahrzeug auf ein anderes aufprallte. Die meisten - wenn nicht alle - ihrer Verletzungen verdankt sie dieser Kollission.

Jessica Lynch schweigt
Der einzige Mensch, der die Wahrheit dieser Geschichte wirklich ans Licht bringen könnte, schweigt weiter beharrlich: Jessica Lynch verlas bei der Pressekonferenz am Tage ihrer Rückkehr lediglich einige vorbereitete Sätze. Ihre Familie hatte in den letzten Wochen immer wieder verbreiten lassen, ihre Tochter erinnere sich nicht an die Vorfälle in Nasirija. Das US-Militär gibt weiter an, Lynch sei nicht in der Lage etwas zu ihrer Gefangennahme zu sagen. Auffällig jedoch: In ihrer kurzen Rede bei ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt dankte sie zuerst, "mehreren irakischen Bürgern, die halfen, mein Leben zu retten". Erst im nächsten Satz erwähnte sie ihre Kameraden von den US-Spezialeinheiten.


Hundert Jahre Kriegspropaganda  ..... Nützliche Lügen    ( Le Monde diplomatique, Beilage zur taz am 11.07.03 )
517 Zeilen, IGNACIO RAMONET

CIA warnte schon früher vor gefälschten Beweisen     (t-news.t-online 13.07.03)

Der Wirbel um die frisierten Kriegsbeweise gegen den Irak reißt nicht ab: Der Geheimdienst CIA hatte im vergangenen Oktober verhindert, dass US-Präsident George W. Bush dem Irak Kaufabsichten für Uran in Afrika unterstellte. Der Grund: Entsprechende Informationen erwiesen sich als gefälscht. Im Januar aber enthielt Bushs Rede zur Lage der Nation eben diesen Vorwurf. Warum der CIA hier nicht einschritt, ist fraglich.

Frisierte Beweise
CIA-Chef George Tenet, der noch von Bushs Vorgänger Bill Clinton ernannt worden war, hatte am Freitag die Verantwortung für die umstrittene Passage in Bushs Rede übernommen. Darin wurde dem Irak unterstellt, er habe versucht, in Niger Uran zum Bau von Atombomben zu kaufen. Die Regierung musste aber einräumen, dass der Vorwurf auf gefälschten Dokumenten basierte. Bush hatte sich dennoch hinter Tenet gestellt.

Zweifel an der Richtigkeit
Von den frisierten Beweisen aber warnte der CIA bereits im vergangenen Jahr, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf ranghohe Regierungskreise. Tenet habe persönlich darauf gedrängt, entsprechende Informationen nicht zu nutzen, da der CIA Zweifel an der Richtigkeit habe und sie nur aus einer einzigen Quelle stammten.

Redenschreiber kann sich nicht erinnern
Warum Tenet im Herbst 2002 bei einer weniger bedeutenden Rede Bushs intervenierte, drei Monate später bei der wesentlich wichtigeren Rede zur Lage der Nation hingegen nicht, sei nicht bekannt, berichtet das Blatt weiter. Bushs Haupt-Redenschreiber Micahel J. Gerson könne sich zudem nicht mehr erinnern, wer jene 16 Worte in das Manuskript geschrieben habe. Die von der US-Verfassung vorgeschriebene Rede wird traditionell im Januar vor beiden Kammern des US-Kongresses gehalten und hat in den USA eine hohe symbolische Bedeutung.

Öffentlichkeit mobilisiert
Besonders das Büro von Vizepräsident Richard Cheney habe darauf bestanden, dass Saddams Streben nach Atomwaffen eine prominente Rolle bei der Mobilisierung der Öffentlichkeit für den Irak-Krieg spiele. Cheney habe die Möglichkeit, dass Saddam in den Besitz von Atomwaffen komme, zum zentralen Thema seiner Reden im August 2002 gemacht, als die US-Öffentlichkeit auf den Krieg vorbereitet wurde.

Briten verteidigen sich
Die umstrittenen Informationen stammen vom britischen Geheimdienst. Außenminister Jack Straw hatte bereits eingeräumt, dass der CIA auch die britische Regierung davor gewarnt habe, die Uran-Passage zu verwenden. Sie war in einem vor dem Krieg veröffentlichten Beweis-Dossier aufgeführt. Premier Tony Blair soll mittlerweile aber ein Papier in Umlauf gebracht haben, in dem der Irak-Krieg auch für den Fall gerechtfertigt wird, dass dort keine Massenvernichtungswaffen mehr gefunden werden.

Blix: Fundamentaler Fehler
Nach den Worten des früheren UNO-Waffeninspekteurs Hans Blix täuschte sich die britische Regierung gründlich in ihrer Behauptung, der Irak habe innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen können. Das sei ein "fundamentaler Fehler", sagte Blix dem "Independent". "Mir erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass es dort Mittel gab, innerhalb von 45 Minuten auf Massenvernichtungswaffen zurückzugreifen."


Wann wusste Bush was?     (taz 10.07.03)
Hat der US-Präsident wissentlich oder aus Versehen gelogen, als er im Januar irakische Urankäufe in Niger anprangerte? Die Demokraten im US-Kongress wollen das jetzt untersuchen, aber zum Generalangriff auf die Regierung fehlt ihnen die Kraft
141 Zeilen, MICHAEL STRECK (TAZ-Bericht)

Soldaten-Handbuch versus Aznar     (taz 25.06.03)
Spaniens Militärgeheimdienst ist bei Massenvernichtungswaffen Iraks zurückhaltend
MADRID taz Nicht nur George W. Bush und Tony Blair haben gelogen, als es um die Waffenarsenale des Irak ging. Auch der spanische Regierungschef José María Aznar bekräftigte vor dem Parlament entgegen besseres Wissen: "Sie können sicher sein, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt." Eine Aussage, die so nicht einmal der eigene militärische Geheimdienst CNI stützt.

DIE KRIEGSGRÜNDE DER USA UND GROSSBRITANNIENS AUF DEM PRÜFSTAND      (taz, 18.06.03)
 Haben die USA und Großbritannien bewusst die Öffentlichkeit manipuliert, um ihren Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen? Hatten ihre Geheimdienste wirklich Hinweise auf irakische ABC-Waffen? Gestern startete eine parlamentarische Untersuchung in London, bald auch eine in Washington


Kriegslüge mit Nachspiel
Die britischen Exminister Cook und Short beschuldigen Premierminister Tony Blair vor dem Irak-Ausschuss. Informationen seien zurückgehalten worden, um Kriegsfahrplan nicht zu gefährden

Hoffnung auf den Wüstensand
Tony Blair steht mit dem Rücken zur Wand - nicht nur wegen seiner fortgesetzten Behauptung, der Irak habe über Massenvernichtungswaffen verfügt
101 Zeilen, RALF SOTSCHECK   (TAZ-Bericht)


Aus der vagen Wahrscheinlichkeit wurde Sicherheit gemacht
Nur hinter verschlossenen Türen will der US-Kongress die Stichhaltigkeit der Waffenvorwürfe gegen den Irak untersuchen. Demokraten hoffen auf Wahlkampfzündstoff
121 Zeilen, MICHAEL STRECK   (TAZ-Bericht)


Massenvernichtungswaffen
Was der Irak angeblich alles hatte
28 Zeilen (Dokumentation)

BND: Abbas' Festnahme ist "kein großer Fang"     ( aus:  t-news.t-online / 16.04.03 )
Die USA haben sich erfreut über die Festnahme des Drahtziehers der "Achille Lauro", Abu Abbas, gezeigt. Dass sich der radikale Palästinenser im Irak aufgehalten habe, beweise die Verbindung des Landes zum Terrorismus. Das bestätigte ein US-Militärsprecher in Katar.
Die Gefangennahme Abbas' beseitige "einen Teil des vom Irak unterstützten Terrornetzes und ist ein weiterer Sieg in dem weltweiten Krieg gegen den Terrorismus", teilte das Central Command der US-Armee mit.

Nach Einschätzung des deutschen Bundesnachrichtendienstes sei die Festnahme des Extremisten jedoch "kein großer Fang". Abbas sei vor allem in den 80er Jahren terroristisch aktiv gewesen, sagte eine BND-Sprecherin der Online-Ausgabe der Tagesschau. Heute spiele er eine eher unbedeutende Rolle.
Abbas war in Italien wegen der Entführung in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte sich in den vergangenen 17 Jahren zumeist im Irak aufgehalten und sich damit dem Zugriff der Behörden in Italien und den USA entzogen. Im vergangenen Jahr hatte er sich in einem Interview in der "New York Times" von dem Moslem-Extremisten Osama bin Laden distanziert und die Anschläge vom 11. September 2001 verurteilt.

"Immer der gleiche Vorwand"    ( aus:  SPIEGEL ONLINE ,  11.04.03)
Hermann Scheer (SPD):  Bush setze seine "Hauptkriegslüge" fort
Immer der gleiche Vorwand, stöhnt der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer über die Argumentation der US-Regierung. Das sei eine "Beleidigung des politischen Verstands". ... Was Amerika betreibe, so der SPD-Linksaußen und Energieexperte seiner Partei, sei also schlicht eine "konsequente Ressourcenstrategie", über die die Öffentlichkeit getäuscht werde. Doch nunmehr habe sich George W. Bushs Schutzbehauptung, dass das Saddam-Regime - so verabscheuenswürdig es auch sei - durch Massenvernichtungswaffen eine akute Bedrohung des Weltfriedens darstelle, als "Hauptkriegslüge" herausgestellt.
... es scheint nicht unwahrscheinlich, dass die USA mit gleicher Strategie ihr nächstes Ziel ins Visier nehmen: Syrien. Dort sei nach US-Vorstellungen eine Pipeline durch Land geplant, um andere Öllieferstränge "um bis zu drei Viertel abzukürzen", will Scheer erfahren haben. Sollte dies auf dem Verhandlungsweg nicht möglich werden, sei die erneute Vorwandsuche für eine Okkupation wahrscheinlich.